Schwarzbuch: Haus Demmin als gefährdetes Denkmal gelistet
Schwarzbuch: Haus Demmin als gefährdetes Denkmal gelistet

Die Deutsche Stiftung Denkmalpflege hat das Haus Demmin in die zweite Auflage ihres Schwarzbuchs aufgenommen. Die Organisation listet das Bodendenkmal, bestehend aus der pommerschen Burg und der Gutshausanlage, unter den gefährdeten Denkmalen.

Kritik der Denkmalschützer

Unter einem Bild der Ruine titelt die Stiftung: „Zwei auf einen Schlag: Aussitzen statt sanieren?“ Die Denkmalschützer begrüßen zwar die Entscheidung der Stadtvertretung, das Objekt nicht abzureißen, zweifeln aber daran, dass in naher Zukunft etwas zur Rettung geschieht.

Im Schwarzbuch heißt es: „Und gleichzeitig erinnert die Gemengelage um diese beiden Denkmale stark an das Sprichwort: ‚Wasch mich, aber mach mich nicht nass‘: Wert und Bedeutung der Denkmale sind unstrittig, Fördergelder wurden akquiriert, Schutzstatus und Erhaltungspflicht werden betont und bestätigt. Doch passieren soll nichts.“

Stadtverwaltung widerspricht

Bürgermeister Thomas Witkowski widerspricht der Darstellung. „Mein Wunsch ist die Sicherung und Sanierung der Gutshausanlage“, sagt er. Die Ruine solle auf keinen Fall verfallen. Er möchte das Thema erneut in der Stadtvertretung behandeln lassen.

Im März dieses Jahres hatten die Stadtvertreter die beantragten Instandsetzungs- und Sicherungsarbeiten nicht beschlossen. Eine von einzelnen Ausschussmitgliedern geforderte Abrissgenehmigung erteilte die Verwaltung nicht. Denkmalstatus und Erhaltungspflicht bestehen fort.

Die Entscheidung betrifft nur die Gutsanlage. Die pommersche Burg sehen die Stadtvertreter als Denkmal an. Für Witkowski steht fest: „Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz und ist sicherungs- und sanierungswürdig.“

Zwei Denkmale, eine Anlage

Die Anlage „Haus Demmin“ umfasst zwei getrennte Denkmale: die Ruine einer pommerschen Burg, erstmals 1127 urkundlich erwähnt und als ältestes Bauwerk Pommerns geltend, sowie ein Gutshaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Beide liegen südlich der Altstadt am Zusammenfluss von Peene und Tollense.

Die Burg diente westpommerschen Herzögen als Residenz und wurde 1631 zerstört. Das Gutshaus war bis 1945 Herrensitz, wurde nach der Enteignung zum Schulinternat und 1991 zu einem symbolischen Preis an die Familie des früheren Eigentümers rückübertragen. 1997 brannte es weitgehend aus, nur Außenmauern blieben stehen. Daraufhin musste ein Teilabriss erfolgen. 2004 ging das Denkmal zurück an die Stadt.

Aktuell ist die Anlage abgesperrt. „Es gibt eine Sicherung durch einen Bauzaun an der Insel“, sagt der Bürgermeister. Die Verwaltung entschied sich nach wiederholter Randale an den bestehenden Absperrungen für eine bessere Sicherung.

Geplante Maßnahmen und Kosten

Die Stadt kümmerte sich zunächst um die Erschließungsbrücke, die zuletzt 2008 saniert wurde. 2025 rückte das Denkmal wieder in den Fokus. Eine Prüfung im Oktober 2025 ergab lockere Schrauben, vermoderte Balken und verfaulte Pfosten. Die Sanierungskosten wurden auf 175.000 Euro geschätzt. Kurz darauf ließ die Stadt den Gesamtzustand von Burg und Gutshaus durch einen Architekten prüfen. Die Schadensanalyse fiel deutlich aus. Vorgesehen war ein zweistufiges Sicherungspaket für rund 300.000 Euro mit Fördermitteln.

Nach Angaben der Stadtverwaltung lagen bereits Genehmigungen vor, und Maßnahmen waren vorbereitet. Geplant waren unter anderem Mauerreparaturen, Blechabdeckungen gegen Wassereintrag, der Austausch herausgebrochener Ziegel und die Erneuerung von Stützbalken.

Doch die Stadtvertretung stellte die Einstufung des Gutshauses als Denkmal erneut infrage. Einzelne Mitglieder sprachen von „Schrott“. Die Mehrheit folgte schließlich dem Vorschlag, die Instandsetzung nicht umzusetzen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sieht das gesamte Denkmal nun als gefährdet an.