Patrick Losch ist neuer Bürgermeister der Gemeinde Gotthun. Er löst Johannes Saathoff ab, der das Amt seit der Wende 36 Jahre lang innehatte. Losch wurde am 20. September als parteiloser Einzelkandidat, nominiert von der Freien Wählergemeinschaft Gotthun, mit 87,5 Prozent gewählt.
Ein Abschied nach 36 Jahren
Johannes Saathoff, 78 Jahre alt, blickt auf eine lange Amtszeit zurück. Ursprünglich hatte er geplant, bis 80 im Amt zu bleiben. „Doch es ging nicht mehr“, sagt er. Seine politische Laufbahn begann 1990, als er mit 42 Jahren und als Kind der DDR Neuland betrat. „Wir hatten doch von all' dem keine Ahnung, mussten das lernen und wurden ins kalte Wasser geworfen. Diese ganzen neuen Verwaltungsstrukturen und das eigene Handeln fürs Dorf. Aber es klappte.“
In den Jahren ab 1990 flossen Fördermittel in die Gemeinde. „Das Geld floss aus vielen Töpfen. Und wir haben es genutzt, haben wir vor allem Straßen saniert, das Gutshaus im Blick gehabt“, nennt der Ex-Dorfchef Beispiele. Saathoff stammt aus Jaebetz Marienhof und kam Anfang der 1970er Jahre nach Gotthun. Nach einer Maurerlehre, der Armeezeit und einem Bauwesen-Studium arbeitete er als Bauleiter beim damaligen K-Bau in Röbel.
Ein junger Nachfolger mit eigenen Plänen
Patrick Losch, 36 Jahre alt, sieht in Saathoff so etwas wie eine Vaterfigur. Er ist Zimmerer und führt eine eigene Montage- und Holzbau-Firma. Mit 19 Jahren wurde er Mitglied des Gemeinderates, später zweiter und erster Stellvertreter des Chefs. Nun hat er selbst den Schlüssel für den Gemeinderaum in der Tasche. „Ich weiß nicht mehr warum, aber ich weiß, dass ich schon als Kind immer gesagt, habe, dass ich mal Bürgermeister werden will“, sagt Losch.
Losch war der einzige Kandidat bei der Bürgermeisterwahl. Er will eigene Akzente setzen und hat mit dem Plan für einen Dorfarbeiter begonnen. Ein Mann für alle Fälle in Sachen Ordnung und Sauberkeit solle das sein, der aktuell per Ausschreibung gesucht werde. Die finanzielle Lage der Gemeinde ist angespannt: „Gefühlt haben wir gar nichts“, sagt Losch. Vieles werde von der Verwaltung im Amt Seenlandschaft in Waren geklärt.
Die Gemeinde sucht Einwohner
Die 309-Seelen-Gemeinde sucht neue Einwohner. Die Einwohnerzahl sei laut Saathoff zwar in etwa konstant geblieben, aber einige Wegzüge stünden an und Häuser zum Verkauf. In der Gemeinde gibt es „leider keinen Kindergarten mehr“. Die obere Etage im „Schloss“, wie Gotthuner das Gutshaus nennen, hatte einst Leben ins Dorf gebracht. Kinder aus umliegenden Orten wie Röbel, Groß Kelle und weiter weg hätten das Kita-Konzept geschätzt. Parallel zu einem Geburtenrückgang hätten in Röbel und Sietow neue Kitas eröffnet.
Saathoff betont, dass Gotthun in vielen Bereichen gewachsen sei. Möglich geworden sei vieles, „weil das Dorf zusammenhält und viele Hände mit anpacken“. Bei Veranstaltungen wie dem jüngsten Dorffest unter dem Motto „Gemeinschaft, Tradition, Heimat“ oder bei der Feuerwehr. „Da sind wir wirklich froh und glücklich, dass wir so eine gute engagierte Wehr haben.“
Vertrauen und Bürokratie
Saathoff hat volles Vertrauen in seinen Nachfolger: „Patrick ist schon lange dabei und engagiert. Ich habe volles Vertrauen.“ Die beiden treffen sich mindestens einmal pro Woche. Losch schätzt an Saathoff „diese Beständigkeit im Amt“ und „dass er mit Humor auch mal Druck rausnehmen kann“.
Die Bürokratie bleibt eine Herausforderung. „Damals vor 36 Jahren, da haben wir gesagt, wie wir was machen, haben einige wenige Sachen ausgefüllt oder ausgehängt. Und dann ging das los. Das ist ja inzwischen undenkbar“, sagt Saathoff. „Immer wenn von Bürokratieabbau die Rede war, dann kam gewiss eher noch eine Schippe drauf.“ Auch Gemeindefusionen im Amt Seenlandschaft sieht er kritisch: „Aus zwei armen Gemeinden wird keine reiche.“ Für Losch war das ein Grund, sich zur Wahl zu stellen: „Wenn gerade über Fusionen geredet worden wäre, dann wär' ich raus gewesen.“
Saathoff will nun mehr Zeit mit der Familie verbringen. Zwei Mutterkühe auf seinem Hof bereiten ihm Freude. Losch widmet sich in seiner Freizeit Traktoren, meistens Oldtimern. Er will „was durchsetzen für die Gemeinde“, wie er sich vorgenommen hat.