Usedom-Festival: Schweden-Schwerpunkt mit Weltstars und Wunderkindern
Usedom-Festival: Schweden-Schwerpunkt mit Weltstars

Das Usedomer Musikfestival 2026 setzt einen Schwerpunkt auf Schweden und bietet dabei etwas, das es „in dieser Form fast nirgendwo auf der Welt gibt“. Intendant Thomas Hummel sprach im Interview mit Susanne Schulz über die Highlights des Programms, die schwedische Geschichte der Insel und neue Formate.

Schweden als Gastland: Neue Künstler und unerfüllte Träume

Hummel erklärte, dass bei einem Schwerpunkt alle zehn Jahre Künstler dabei sind, die vor 30 Jahren noch nicht auf der Welt waren. So könne man immer wieder Neues zeigen und die Musikgeschichte dieser Zeit spiegeln. Bei den unerschöpflichen Möglichkeiten Schwedens falle es nicht schwer, Neues vorzustellen.

In diesem Jahr werden einige bislang unerfüllte Träume verwirklicht: Der Klarinettist Martin Fröst, den man schon sehr lange dabei haben wollte, gestaltet zwei große Konzerte – am 3. Oktober in Peenemünde und das Abschlusskonzert am 10. Oktober in Wolgast. Zudem gibt es kleine, feine Projekte wie schwedische Barockmusik in der Dorfkirche in Liepe. In Krummin spielt der Pianist Niklas Sivelöv, das Stockholm Saxophone Quartet bringt junge Komponisten mit, und die jungen Pellbäck-Geschwister, die bereits für Königin Silvia gespielt haben, sind ebenfalls zu erleben.

Zwei Königinnen und schwedische Geschichte

Nachdem Schweden dem Festival vor Jahren einen königlichen Besuch durch Königin Silvia bescherte, gibt es diesmal gleich zwei Königinnen im Programm: die Sopranistin Christina Nilsson, die auf den großen Opernbühnen der Welt zu Hause ist, sowie einen Vortrag und ein Konzert zu Königin Christine, die vor 400 Jahren geboren wurde und nach ihrer Abdankung im Exil in Rom Mittel aus dieser Region, etwa aus dem Gut Pudagla, erhielt.

Hummel betonte die enge Verbindung der Insel zur schwedischen Geschichte, die bei Usedom weniger bekannt ist als etwa bei Stralsund oder Wismar. Auch Greifswalds Universität war die zweitälteste Universität Schwedens. Die Anlandung von Gustav Adolf 1630 in Peenemünde sei ein weiteres Beispiel. Das Festival wolle diese Geschichte zeigen, gerade in den heutigen Diskussionen um Migration. Man setze auf Aussöhnung und wolle aus der Geschichte lernen. In Peenemünde mache man einen Ort des Krieges zu einem Ort der Kultur und der Aussöhnung.

ABBA-Gala und deutsch-polnische Zusammenarbeit

Auch auf der polnischen Seite der Insel ist das Festival präsent: mit einer ABBA-Gala in Swinemünde, die einen Abend später auch in Heringsdorf zu erleben ist. Hummel erklärte, das Programm sei extra deutsch-polnisch gestaltet und erhalte dafür eine Extraförderung. Das gemeinsame Konzert mit dem Baltic Sea Philharmonic, bei dem deutsche, polnische, schwedische und weitere Künstler zusammenspielen, stehe im Mittelpunkt, mit dem Gesangsquartett Lemon Squeezy aus Schweden. Der Fokus liege auf ABBA, angereichert mit klassischen Instrumenten – ein besonderer Abend, extra für das Festival kreiert.

Besondere Orte und neue Formate

Das Festival nutzt auch besondere Orte: den Strand, wo das Konzertzelt mit Blick auf die Wellen aufgestellt wird, sowie die Kirchen im Lieper Winkel. Eine Nils-Holgersson-Lesung mit Annett Renneberg, die auch schon bei den Literaturtagen war, gehört ebenso zum Programm. Der Meisterkurs des litauischen Cellisten David Geringas findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Durch ihn habe man die 13-jährige Cellistin Charlotte Melkonian kennengelernt, die im Eröffnungskonzert spielen wird und mit dem Baltic Sea Philharmonic auf Europatournee geht.

Musikvermittlung wird immer wichtiger, so Hummel. Vergangenes Jahr gab es erstmals ein Liegekonzert, das sofort ausverkauft war. Man sei offen, neue Dinge auszuprobieren. Das Programm enthält ein „Fenster zur Welt“ mit einem Ensemble aus Panama, um über den Ostseeraum hinaus spannende Projekte zu finden und Verständnis füreinander zu fördern.