Kurz vor der Landtagswahl hat der Nordkurier die Parteien zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Das große Wahl-Forum des Nordkurier hatte alle Spitzenpolitiker des Landes vor Live-Publikum auf der Bühne. Oben im Video können Sie die gesamte Debatte nachverfolgen.
In der Runde dabei waren: SPD: Manuela Schwesig, AfD: Leif-Erik Holm, Linke: Hennis Herbst, CDU: Daniel Peters, Grüne: Claudia Müller, FDP: Jakob Schirmer, BSW: Sabine Firnhaber.
Klare Spielregeln und kaum Ausweichmöglichkeit
Verhandelt wurden die wichtigsten Themen des Landes: Wirtschaft, Bildung, Energie, Migration oder Sicherheit. Durch den Abend führten die Nordkurier-Reporterinnen Karin Koslik und Verena Lukaschik. Die Diskussion sollte fair bleiben, aber nicht folgenlos. Und doch eskalierte die politische Auseinandersetzung bei einem Thema deutlich.
Jeder Teilnehmer konnte ein Themenlos aus dem Topf ziehen und hatte dann zwei Minuten Zeit, um sich zum Thema zu äußern. Die weiteren Teilnehmer hatten danach jeweils 30 Sekunden Zeit, um zu reagieren. Damit zeitlich alles passte, gab es einen „kleinen, aber feinen Timer“. Das Publikum durfte später ebenfalls Fragen stellen.
Eskalation bei Nord Stream
Die Kandidaten schenkten sich nichts. Gerade zwischen Schwesig, Holm und Peters wurde es mehrfach hitzig. Worüber die drei Politiker insbesondere gestritten haben, ist die Gaspipeline Nord Stream in der Ostsee. Die Versorgungsleitung aus Russland sollte Gas liefern. Infolge des Ukrainekriegs und eines Anschlags liegt die Leitung allerdings brach. Holm versprach dennoch: Die AfD wolle Nord Stream wieder öffnen, um Gas als fossilen Energieträger nach Deutschland zu holen.
Bei der Frage, wie die Kandidaten den Frieden sichern und diplomatisch den Ukraine-Krieg lösen wollen, betonte Holm: „Wir müssen auch mit jenen reden, die uns nicht gefallen.“ Müller benannte „genau einen Aggressor“: Russland. Peters plädierte für Wehrtüchtigkeit: „Diplomatie ist absolut richtig. Aber wir brauchen eine Antwort im Falle einer Aggression.“
Migration, Industrie und Bildung
Bei der Migrationsfrage betonte Schwesig die Notwendigkeit von Fachkräften aus dem Ausland und brachte ein Beispiel eines Bauarbeiters, dessen bester Mitarbeiter – ein Marokkaner – das Land verlässt, „wegen Hass und Hetze“. Peters malte ein düsteres Bild ohne Zuwanderung für das Gesundheitssystem in MV, forderte aber konsequente Abschiebungen. Holm wollte illegale Einwanderung von Fachkräfte-Einwanderung getrennt sehen: „Wer hier arbeiten will: herzlich willkommen.“
Beim Thema Industrie oder Natur versuchte Müller den Spagat: beides. Holm sagte: „Wir haben gute Natur zum Leben. Jetzt brauchen wir die Arbeitsplätze.“ In der Bildungspolitik setzte sich die FDP für autonome Schulen ein. Schwesig verwies auf „Produktive Arbeit“ aus der DDR und wollte den Unterrichtsausfall angehen. Holm verwies auf ein Drittel durchgefallene Abiturienten an einer Schule in Ludwigslust.
In der Abschlussfrage, mit wem die Kandidaten zusammenarbeiten würden, griff Herbst AfD-Kandidat Holm an: „Mit Rechtsextremen verhandeln wir nur vor Gericht.“ Holm reagierte ruhig und gelassen: Die AfD in MV sei nicht rechtsextrem. Firnhaber machte deutlich, was das BSW nicht machen werde: „Frau Schwesig wählen“, „in eine Koalition eintreten“. Aber reden werde man mit allen, denn Ausgrenzung sei der falsche Weg.
Der Liveticker verabschiedete sich in den Feierabend. Die Kandidaten müssen bis zur Wahl am 20. September noch einen langen Atem beweisen – der Wahlkampf geht jetzt in die entscheidende Phase. Wie der ausgeht und wer am Ende gewinnt, finden Sie am Wahltag auf nordkurier.de.