Die Inflationsrate in Deutschland ist im September 2026 auf 3,3 Prozent gestiegen und erreichte damit den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Hauptursache sind die deutlich gestiegenen Spritpreise. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, verteuerten sich die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,9 Prozent – darunter fallen neben Sprit auch Strom und Heizkosten.
Tankrabatt dürfte die Teuerung kaum bremsen
Fachleute rechnen damit, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten erhöht bleibt – trotz des Tankrabatts, der ab dem 1. Oktober greifen soll. Durch eine verringerte Steuerlast soll Benzin und Diesel um etwa 17 Cent pro Liter günstiger werden. Allerdings kann der Rabatt die Spritpreissteigerungen nicht vollständig ausgleichen. Zudem führen höhere Energiepreise dazu, dass auch in fast allen anderen Bereichen die Preise steigen, weil Handel und Gewerbe ihre gestiegenen Transport- und Mobilitätskosten an die Verbraucher weitergeben.
Dieser Effekt zeigte sich bereits nach Beginn des Ukraine-Kriegs, als vor allem Strom und Gas teurer wurden. Im Oktober und November 2022 erreichte die Inflation mit 8,8 Prozent ihren Höchststand.
Seit 2021 kaum unter zwei Prozent
Die erhöhte Inflationsrate ist kein neues Phänomen: Der Trend begann bereits im zweiten Corona-Jahr ab Anfang 2021. Lag der Wert von der Jahrtausendwende bis 2020 relativ stabil bei etwa 1,5 Prozent, unterschritt die Rate seit 2021 nur noch selten die Zwei-Prozent-Marke. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Inflationsrate von 2 Prozent an – dieses Ziel hat Deutschland seit 2021 nicht mehr erreicht und wird es voraussichtlich auch 2026 verfehlen.
Am Verbraucherpreisindex wird das Ausmaß deutlich: Im Vergleich zu vor zehn Jahren kostet derselbe Warenkorb heute rund ein Drittel mehr. Gut 25 Prozent dieser Entwicklung stammen aus den Jahren ab 2021. Neben Energie sind auch Nahrungsmittel Preistreiber, die seit 2020 um mehr als ein Drittel teurer wurden.
Kaufkraft sinkt, Wohlstandsverlust droht
Da kaum ein Haushalt seine Einnahmen im selben Zeitraum so stark steigern konnte, ist die Kaufkraft vielerorts rückläufig. Immer mehr Geld fließt in Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel, Energie und Miete. Setzt sich dieser Trend fort, droht in Verbindung mit der seit Jahren schwächelnden Wirtschaft ein spürbarer Wohlstandsverlust in weiten Teilen der Bevölkerung – sofern er nicht bereits eingetreten ist.
Angesichts des aktuellen Inflationsanstiegs erwarten Ökonomen, dass die EZB den Einlagenzins für Banken und Sparer dieses Jahr noch ein drittes Mal auf dann 2,75 Prozent anheben wird. Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen könnte. Während Sparer profitieren, bedeuten steigende Zinsen eine Belastung für alle, die investieren wollen – von Privathaushalten bis zu Unternehmen.