Taxi-Verband MV: „Mit jeder Fahrt verlieren wir Geld“ – Branche vor dem Aus?
Taxi-Verband MV: „Mit jeder Fahrt verlieren wir Geld“

Der Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe in Mecklenburg-Vorpommern schlägt Alarm: Immer mehr Firmen geben auf, weil sich die von Behörden festgelegten Tarife nicht mehr lohnen. Laut Verband gibt es derzeit nur noch unter 100 reine Taxi-Firmen mit rund 500 Fahrzeugen. Im Jahr 2000 waren es landesweit noch 544 Firmen mit 1055 Autos. Der Markt verschiebe sich zunehmend hin zu Mietwagen, da dort keine behördlich festgelegten Tarifregeln gelten.

Tarife decken Kosten nicht

Taxen sollen den öffentlichen Personennahverkehr ergänzen und Bus und Bahn ersetzen, wenn diese nicht fahren. Dafür hat die Branche eine Sonderstellung. Laut Schweriner Wirtschaftsministerium können Landkreise und kreisfreie Städte Beförderungsentgelte selbst festlegen. Dadurch gibt es selbst in MV ein starkes Gefälle bei den Taxipreisen: Im Landkreis Rostock zahlen Kunden aktuell 1,80 Euro pro Kilometer, in der Mecklenburgischen Seenplatte sind es seit Mai 3,00 Euro. Die meisten Kreise liegen bei gut zwei Euro. In vielen Regionen Deutschlands gelten höhere Sätze – bis mehr als 3,50 Euro.

„Mit jeder Taxifahrt verlieren wir Geld“, erklärt Verbandsvorsitzender Guido Sembach. Die Kosten seien in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen, etwa für Sprit oder Personal. Er schätzt: Ab drei Euro je Kilometer könnten Unternehmer wirtschaftlich arbeiten und nötige Investitionen tätigen. Ein weiterer Kritikpunkt ist der gesetzliche Mindestlohn von aktuell 13,90 Euro. Befragte Unternehmer rechnen in naher Zukunft mit einer Verschärfung der bereits laufenden Insolvenzwelle.

Kritik an Krankentransport-Tarifen

Die Branche übt auch Kritik an den fixierten Tarifen für Krankentransporte. Anfang des Jahres gab es einen Streik, weil Krankenkassen keine höheren Tarife zahlen wollten. Einzelne Firmen schlossen daraufhin Verträge für 2,10 Euro pro Kilometer ab. Der Verband kritisiert, die Kassen hätten den Preis diktiert. Um dies künftig zu verhindern, hat sich der Verband an Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) gewandt. Forderung: MV solle sich auf Bundesebene für ein Schiedsverfahren in solchen Fällen einsetzen.

Die Landesverbände von Kranken- und Ersatzkassen weisen die Kritik zurück. Der Tarif sei MV-weit mit 95 Prozent der Unternehmen vereinbart; dies zeige, „dass das Angebot für die meisten auskömmlich und wirtschaftlich ist“, so ein Sprecher. Damit seien die Ersatzkassen an die Grenze des Vertretbaren gegangen, um Beitragszahler nicht stärker zu belasten.

Rückgang der Taxi-Betriebe

Befragte Landkreise bestätigen die besondere Rolle der Branche als „Bestandteil des Personennahverkehrs“. Dass weniger Kunden Taxen nutzen, liege auch an „hohen Preisen“, heißt es aus dem Kreis Rostock. Unternehmer weisen dies zurück. Laut Kreis Rostock gibt es dort 28 Firmen mit Taxen und Mietwagen, weitere 60 nur mit Mietwagen. In Vorpommern-Greifswald überwiegen Firmen nur mit Mietwagen (78) gegenüber denen nur mit Taxen (44); 29 Firmen haben beides. Mietwagenbetreiber können Preise frei vereinbaren. Unternehmerin Nadja Sabielny aus Waren prophezeit: „Das Taxi stirbt aus.“