Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben den diesjährigen Konzertsommer mit zwei grandiosen Konzerten ausklingen lassen. Nach 118 Konzerten von Juni bis September standen am Freitag Daniel Hope mit der Staatskapelle Halle unter der Leitung von Fabrice Bollon in der Neubrandenburger Konzertkirche und Simone Lamsma mit der NDR Elbphilharmonie in Wismar auf der Bühne.
Daniel Hope spielt Elgar in Neubrandenburg
Daniel Hope spielte eines seiner Lieblingswerke: das Violinkonzert in h-Moll von Edward Elgar. Das etwa 50-minütige Werk begleitet ihn seit seinem 16. Lebensjahr und ist eng mit seiner Beziehung zu dem legendären Geiger und Dirigenten Yehudi Menuhin verbunden, sagte Hope vorab im Gespräch.
In Wismar sprang kurzfristig Simone Lamsma ein, nachdem Janine Jansen ihre Konzerte krankheitsbedingt absagen musste. Sie spielte mit der NDR Elbphilharmonie das Violinkonzert D-Dur von Erich Wolfgang Korngold.
Ticketmarke verfehlt, aber Resonanz groß
Ihr selbst gestecktes Ziel für den Sommer verpassten die Festspiele MV allerdings: Intendantin Ursula Haselböck hatte beim Eröffnungskonzert in Neubrandenburg am 13. Juni erklärt, dass man anstrebe, 70.000 Tickets zu verkaufen. „Die bewusst ehrgeizig ausgegebene Zielmarke von 70.000 Tickets konnte in diesem Sommer noch nicht erreicht werden“, sagte sie nun zum Finale.
Obwohl 2026 weniger Konzerte als im Vorjahr programmiert waren (2025: 136 Konzerte, 2026: 120 Konzerte), erwarb das Publikum 65.000 Tickets. 58 Veranstaltungen waren ausverkauft.
„Wir freuen uns sehr über das erreichte Ergebnis und die große Resonanz, auch wenn die 70.000 noch nicht geknackt wurden. Oft bin ich in diesem Sommer von unseren Gästen angesprochen worden, die durch den Aufruf überhaupt erst darauf aufmerksam wurden, wie sehr sie als Publikum dazu beitragen können. Das ist ein starkes Signal“, so die Intendantin.
Blick auf Kultureinrichtungen im Land
Ihr Ziel sei es auch gewesen, den Blick auf die Lage der Kultureinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern zu lenken und „eine besondere Wahrnehmung dafür anzustoßen“. Dass die Festspiele MV als privatwirtschaftlich organisiertes Festival 53 Prozent ihres Etats aus Ticketverkäufen generieren und damit direkt vom Publikum finanziert werden, sei vielen Besuchern ins Bewusstsein gerückt, meinte Ursula Haselböck.
Gleichzeitig bleibe die Situation volatil: Einige Traditionsformate seien weniger gut angenommen worden und Konzerte in der dünner besiedelten Fläche des Landes haben es weiterhin schwer. „Umso mehr bestärkt uns die breite Unterstützung darin, die Festspiele MV als starke Kulturmarke im ganzen Land weiterzuentwickeln.“
Unvergessliche Momente und Ausblick
Für viele Besucher bleiben unvergessliche Konzertmomente: Gestartet war das dreimonatige Festival in der Konzertkirche Neubrandenburg mit dem Preisträger in Residence, dem Armida Quartett, und der NDR Radiophilharmonie. Tausende Menschen strömten zu Konzerthighlights wie dem großen Bothmer-Open Air mit Kent Nagano, den „Queens of Soul“ im Schlosspark Fleesensee, Anastasia Kobekina und der Academy of St Martin in the Fields in Ulrichshusen oder Rolando Villazón in der Haferscheune in Stolpe an der Peene. Der Sänger war zum ersten Mal zu Gast bei den Festspielen MV, ebenso wie die Sängerin Annett Louisan, die im Schlosspark Ludwigslust begeisterte.
Der Preisträger in Residence, das Armida Quartett, faszinierte mit 19 Auftritten und radelte sogar bei der Konzertreihe „Brahms am Haff“ mit dem Publikum durch Vorpommern. Mit Lesungen verbundene Wandelkonzerte an historischen Stätten in Schwerin wurden zu eindringlichen emotionalen Höhepunkten. Das Publikum feierte die Musiker mit Standing Ovations, in Fleesensee sprang es von den Sitzen und tanzte, in Ulrichshusen wurde mitgesungen. Denn Begegnung und Verbindung durch Musik war das Motto des Sommers.
Rolando Villazón brachte es in Stolpe auf den Punkt: „Ich freue mich jetzt hier zu sein, in Zeiten, wo es so viele trennende Stimmen gibt. Musik bringt uns alle zusammen.“
Nach den Festspielen ist vor den Festspielen: Am 4. Dezember startet der Festspielwinter, unter anderem mit „Weihnachten mit Daniel Hope“ in der HanseMesse Rostock (18.12.). In der Neubrandenburger Konzertkirche ist am 17. Dezember Iveta Apkalna an der Orgel zusammen mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott zu erleben.