Rene Allonge, geboren in Malchin und aufgewachsen in Neubrandenburg, leitet seit 2009 die Abteilung für Kunstdelikte beim Landeskriminalamt (LKA) Berlin. Sein Team enttarnte den berüchtigten Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi und klärte Diebstähle wie den der Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum auf. Zuletzt führte ihn ein Fall von Grabräubern aus Demmin in seine alte Heimat Mecklenburg-Vorpommern.
Vom verwehrten Traumberuf zur Polizeikarriere
Eigentlich wollte Allonge zur Handelsmarine, doch in der DDR verhinderte seine enge Westverwandtschaft dieses Vorhaben. Stattdessen begann er eine Ausbildung zum Vollmatrosen mit Abitur bei der Hochseefischerei in Rostock – mitten in der Wendezeit. Nach wenigen Tagen kündigten die Reedereien den Lehrlingen. „Als 16-Jähriger war der Traum plötzlich weg“, erinnert er sich. Seine Eltern fingen ihn auf, er machte das Abitur und bewarb sich bei der Polizei. Er erhielt Zusagen aus Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen, entschied sich aber für Berlin, wo er direkt im gehobenen Dienst eingestellt wurde.
Die Wende zur Kunstfahndung
Nach Jahren im Bereich der spezialisierten Eigentumskriminalität suchte Allonge eine neue Herausforderung. Das LKA suchte einen Chef für die Abteilung Kunstdelikte – eine Spezialeinheit, die es nur noch in Bayern und Baden-Württemberg gibt. „Das war ein ganz neuer Beruf“, sagt er über den Wechsel in die für ihn fremde Kunstmaterie. Er brachte sich das nötige Wissen selbst bei und ist überzeugt, dass ihm sein unbefangener Blick geholfen hat. Im Beltracchi-Skandal von 2010 führten nicht Maltechniken oder Farbpigmente, sondern die Rückseiten der Bilder mit den immer gleichen schlechten Stempeln der Sammlung Flechtheim auf die Spur der Täter. „Was wir gesehen haben, hätte auch jeder andere sehen können. Das war keine Hexerei“, so Allonge. Er ist überzeugt: „Die besten Fälscher hat man noch nicht erwischt.“
Spektakuläre Fälle und die Rückkehr in die Heimat
Allonges Abteilung ermittelte nicht nur im Beltracchi-Skandal, sondern auch in den Diebstählen des Familienclans, der die Goldmünze „Big Maple Leaf“ und den Schmuck aus dem Grünen Gewölbe in Dresden stahl. Auch den spektakulärsten Kunstraub der DDR aus Schloss Friedenstein in Gotha klärte sein Team auf. Im vergangenen Jahr führte ihn ein Fall in seine alte Heimat: Zwei Grabräuber aus Demmin hatten zahlreiche Plastiken und Bronzen in Berlin gestohlen, darunter auch von Ehrengräbern. Das Landgericht Berlin verurteilte beide zu noch nicht rechtskräftigen Haftstrafen, einen Hehler zu einer Bewährungsstrafe. Allonge betont die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen vor Ort: „Totale Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft“ habe er erfahren. Er besucht weiterhin gern Verwandte und Freunde in Mecklenburg-Vorpommern und schwelgt in Erinnerungen an eine „schöne, unbeschwerte Kindheit“.