Die Eisengießerei von Breyden in Ueckermünde soll zum Jahresende geschlossen werden. Ein ehemaliger Geschäftsführer und eine frühere Personalleiterin haben sich nun mit einem Appell an Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) gewandt. In ihrem Schreiben warnen sie vor dem Verlust von rund 300 Arbeitsplätzen.
Brief an den Minister
Ingo Bitzer, der von 2020 bis 2024 bei MAT tätig war und zeitweise auch Ueckermünde mitverantwortete, hat gemeinsam mit der ehemaligen Personalleiterin Nicole Braun an den Minister geschrieben. „Es geht um die Existenz von rund 300 Familien“, heißt es in dem Appell. Bitzer, heute Unternehmensberater, betont: „Die Signale waren bereits in 2023 da. Sie sind jetzt wieder da, macht etwas.“
Den Minister kennt Bitzer aus gemeinsamer Zeit in Riedlingen. Nachdem eine persönliche Kontaktaufnahme keine inhaltliche Antwort erbracht hatte, folgte am 19. Oktober der offizielle Brief. Bei der Nachfrage des Nordkurier war das Schreiben dem Sprecher des Ministers noch nicht bekannt, da es an die allgemeine Poststellenadresse gegangen war. Bitzer berichtete von einer WhatsApp-Nachricht, die den Eingang bestätigt habe.
Investitionen und drohendes Aus
Bitzer erinnert an die Investitionen in Ueckermünde: „Ich weiß, dass zu meiner Zeit sehr viel investiert wurde“, sagt er. Er nennt Gießanlagen und moderne Überwachungstechnik. Manche Anlagen gehörten innerhalb des Konzerns zu den neuesten. Im Schwesterwerk Neunkirchen habe man sich angesichts der Investitionen sogar zurückgesetzt gefühlt.
In dem Brief heißt es: „Die Verantwortlichen am Standort haben nicht einfach auf politische Unterstützung gewartet. Sie haben selbst gehandelt, investiert und nach Lösungen gesucht.“ Doch auch diese Anstrengungen könnten wirtschaftliche Nachteile nicht unbegrenzt ausgleichen.
Forderungen an die Politik
Ob die Gießerei noch gerettet werden kann, lässt Bitzer offen. „Es wird nicht einfach werden“, sagt er. Die Energieprobleme beträfen die gesamte deutsche Industrie. Zur heutigen Unternehmensorganisation habe er keinen Bezug: „Da bin ich in dieser Situation zu weit weg.“
Die Verfasser fordern wettbewerbsfähige Strompreise, kalkulierbare Energiebedingungen und frühzeitige Gespräche mit Unternehmen und Arbeitnehmervertretern. Blank solle diese Anliegen auch in Berlin vertreten. Bitzer schildert Erfahrungen aus anderen Gießereien, wo überschüssiger Wind- und Solarstrom genutzt werden sollte – komplizierte Regeln hätten das verhindert. „Da stehen wir uns selber im Weg“, sagt er.
Im Brief heißt es abschließend: „Es geht um Menschen, um Familien, um gewachsene industrielle Kompetenz und um die Zukunft einer ganzen Region.“