Die Deutsche Tanzkompanie hat am Freitagabend im Neubrandenburger Schauspielhaus die Premiere des Familienballetts „Heidi“ gefeiert. Die Zuschauer, darunter viele Kinder, erlebten eine Inszenierung, die den Klassiker der Kinderliteratur von 1880 auf das Wesentliche reduziert: Liebe, Freundschaft, Fürsorge und Dankbarkeit.
Ein Abend für die ganze Familie
Die zweijährige Madita aus Rödlin bei Neustrelitz war wohl die jüngste Besucherin der Premiere. Sie hielt 80 Minuten durch – gemeinsam mit ihrem fünfjährigen Bruder Noam und den Eltern. Dass die Kinder im Saal so lange aufmerksam blieben, sei eine größere Anerkennung als der Schlussapplaus, heißt es aus dem Publikum. Am Ende waren die Geschwister zu müde und schüchtern für ein Gespräch, doch die Eltern schwärmten: „Aber es hat ihnen ausgezeichnet gefallen, uns natürlich auch!“
Choreografie mit Humor und Tiefe
Choreografin Katharina Torwesten hat ihr Versprechen eines Familienballetts eingelöst. Sie befreite den Stoff vom Kitsch der Schweizer Alpen und konzentrierte sich auf die Werte, die das Leben zusammenhalten. Die Geschichte erzählt sich allein aus dem Tanz: Roberta Ramos als Heidi wirkt in Eleganz und Frische wie das Waisenmädchen, das dem anfangs griesgrämigen Großvater, dem Alm-Öhi (Charlie Riddiford), Gesellschaft leistet. Die Annäherung der beiden wird tänzerisch wunderbar umgesetzt.
Immer wieder streut Torwesten humoristische Elemente ein, etwa wenn das Ensemble eine meckernde Ziegenherde darstellt. Meisterhaft tanzt Angelica Bistarelli die verschrobene Gouvernante Fräulein Rottenmeier. Eine der bezauberndsten Szenen bieten Roberta Ramos und Rita Baptista, als sie gemeinsam in Klaras Rollstuhl tanzen. Nicola Clarissa Gehring und Axel Rothe schufen Kostüme und Bühnenbilder, die die spießig-bürgerliche Frankfurter Welt in dunklen und die Alm in freundlichen Farben zeigen.
Weitere Vorstellungen
Die Premiere war nicht ausverkauft – das Ballett hätte mehr Zuschauer verdient. Weitere Vorstellungen: 6.12., 15 Uhr, Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz; 12.12. (15 Uhr) und 13.12. (15 Uhr) im Schauspielhaus Neubrandenburg; 20.12. (16 Uhr und 18 Uhr) im Landestheater Neustrelitz.