Kultur ohne Grenzen: viaTEATRI verbindet Künstler aus Deutschland und Polen
viaTEATRI: Kultur verbindet Deutsche und Polen auf Usedom

Mit Musik, Theater und gemeinsamen Projekten will das Netzwerk viaTEATRI Menschen diesseits und jenseits der deutsch-polnischen Grenze zusammenbringen. Bei den Internationalen Kulturbegegnungen im Heringsdorfer Theaterzelt Chapeau Rouge stehen Künstler aus Polen, Deutschland und der Ukraine gemeinsam auf der Bühne. Dahinter stehen unter anderem Kulturagentin Karolina Bruch aus Świnoujście, Musiker und Moderator Arno Zillmer sowie Ellen Henning von der Vorpommerschen Landesbühne.

Kulturelle Begegnungen statt Einkaufstourismus

Arno Zillmer, auf Usedom aufgewachsen und heute in Berlin lebend, engagiert sich aus persönlicher Verbundenheit. „Ich bin auf der Insel aufgewachsen und habe durch meine Familie bis heute eine enge Verbindung hierher“, sagt er. Als Musiker und Jugendpädagoge habe er früh mit internationalen Projekten gearbeitet und die Zusammenarbeit mit polnischen Künstlern als bereichernd erlebt.

Kulturell werde auf Usedom noch häufig nur bis zur Grenze gedacht, kritisiert Zillmer. Viele Menschen fahren zwar nach Świnoujście, aber oft zum Einkaufen oder wegen günstigerer Preise. „Das ist noch keine wirkliche Begegnung“, betont er. Kultur könne Vorurteile abbauen und zeigen, dass mehr verbinde, als man glaube.

Musik als gemeinsame Sprache

Karolina Bruch, Kulturagentin aus Świnoujście, stellt Kontakte zu polnischen Künstlern her. Sie hat in Szczecin und Großbritannien studiert. „Musik und Kunst sind eine internationale Sprache“, sagt sie. Zillmer bringt Künstler aus seinem Netzwerk ein, Bruch aus ihrer Region – in Heringsdorf führen beide Seiten zusammen.

Beim Konzert waren der Miejski Chór Logos aus Świnoujście und das Duo Manhattan dabei. Man wolle sich nicht auf eine Stilrichtung festlegen, erklärt Zillmer. „Es muss nicht immer Chor oder klassische Musik sein.“ Entscheidend sei, dass verschiedene Künstler miteinander in Beziehung treten. Ein festes Element: Am Ende versuchen alle Beteiligten, mit einem gemeinsamen Lied zusammenzukommen. Der Chor aus Świnoujście war bereits zum zweiten Mal dabei, weil er beim ersten Auftritt einen besonderen Spirit gezeigt habe.

viaTEATRI: Projekte über drei Jahre

Hinter viaTEATRI steckt ein größeres Projekt. Die Vorpommersche Landesbühne arbeitet mit Partnern in Szczecin und dem Theater in Schwedt zusammen. Die aktuelle Förderperiode läuft über drei Jahre. Im Chapeau Rouge fand bereits ein Amateurtheaterfestival mit rund 150 Teilnehmern aus elf Theatergruppen aus Deutschland und Polen statt. Dazu kommt eine deutsch-polnische Theaterproduktion, die in Szczecin, Schwedt und Anklam gezeigt wird.

In Szczecin gibt es ein Chorfestival, in Schwedt ein Schultheaterfestival. „Die Partner bringen ihre eigenen Projekte ein und unterstützen sich gegenseitig“, sagt Ellen Henning. Der Austausch funktioniert in beide Richtungen: Man fährt mit Produktionen zu den Partnern, und die kommen zu uns. Theaterstücke können simultan übersetzt werden, es gibt auch Produktionen, in denen Deutsch und Polnisch nebeneinander gesprochen werden.

Sprache ist nicht immer die größte Hürde

Gute Kunst funktioniere auch über Sprachgrenzen hinweg, sagt Henning. Beim Amateurtheaterfestival habe eine polnische Gruppe mit einem politischen Programm viel verstanden, weil es um Probleme ging, die Menschen in beiden Ländern kennen. Arno Zillmer erinnert sich an eine deutsch-polnische Lesung, die nicht funktionierte. „Da ist Sprache viel wichtiger als bei Musik oder einer Performance.“ Musikalische Shows und Performances seien besonders gut geeignet, weil sie eine Verbindung schaffen, ohne dass jedes Wort übersetzt werden muss.

Die Veranstaltungen richten sich nicht nur an Urlauber, sondern mindestens genauso an Einheimische. „Wir wollen erreichen, dass deutsch-polnische Kulturveranstaltungen für die Einheimischen selbstverständlich werden“, sagt Zillmer. Sein Idealfall: „Dass niemand mehr sagt: ‚Ich gehe zu einem deutsch-polnischen Projekt.‘ Sondern einfach: ‚Ich gehe hin, weil es gute Kunst ist.‘“ Auch Henning betont, dass zuerst die Qualität stimmen müsse. Die Sprachbarriere spiele häufig eine viel kleinere Rolle, als man denke.

Karolina Bruch erlebt die polnischen Künstler positiv: Sie kommen gern nach Heringsdorf und freuen sich über die Atmosphäre und die Begegnungen. Entscheidend sei, dass man nicht nur nebeneinander auftritt, sondern wirklich miteinander arbeitet. Langfristig soll eine gemeinsame Kulturszene auf Usedom und in Świnoujście entstehen. Nach jeder Saison setze man sich zusammen und überlege, was im nächsten Jahr möglich ist. Zillmers wichtigster Erfolg: „Dass wir Usedom kulturell nicht mehr an der Grenze enden lassen. Świnoujście gehört zu unserem unmittelbaren Lebensraum.“