Seit zwei Jahren besucht Mandy Paech mit ihren Afrikanischen Achatschnecken regelmäßig die Kita „Lewitz-Zwerge“ in Ludwigslust. Die Schnecken-Auszeit wirkt beruhigend auf die Kinder.
Schnecken-Frühstück und entspannte Kinder
Frederik hält eine Lupe dicht an seine Wimpern und beugt sich über eine schleimige Besucherin, die über den Tisch kriecht. „So süß“, ruft er entzückt. Während er zuschaut, zerstampft Miles fleißig Eierschalen. „Das Haus von meiner größten Schnecke ist 16 Zentimeter groß“, sagt Mandy Paech, die an diesem Morgen mit ihren „Schleim-Stars“ in die Kita gekommen ist.
Die „Lewitz-Zwerge“ ist eine Spezial-Kita der Lewitz-Werkstätten, in der körper- und mehrfach behinderte Kinder betreut werden. Nicht alle Kinder sind am Anfang gleich begeistert. „Manche finden sie erst eklig und glitschig“, so Mandy Paech. „Aber das ist in Ordnung, weil alle Gefühle Platz haben dürfen. Wer nicht mag, muss die Tiere nicht anfassen.“
Schnecken strahlen Ruhe aus
Beim Schnecken-Frühstück holt Mandy Paech Gemüse heraus, auf Süßkartoffel sind die Schnecken besonders scharf. „Psst, horcht mal, da knuspert eine dran!“, sagt sie. Miles drückt eine Ausstechform mit Schneckenmotiv in eine Zucchini-Scheibe, Frederik raspelt Möhren. „Für Tiere tun die meisten Kinder ganz viel, lieber als für Erwachsene“, weiß Mandy Paech.
„Die Schnecken strahlen durch ihre extreme Langsamkeit Ruhe aus“, sagt die Tier-Therapeutin. „Man wird selber ruhig und entspannt. Das Gehirn schaltet ab. Du bist im Hier und Jetzt.“
Regelmäßige Besuche und kleine Gruppen
Mandy Paech kommt seit September 2024 in die Kita. „Als sie uns das erste Mal mit ihren riesigen Schnecken besucht hat, waren wir so begeistert, Kinder und auch Erzieher gleichermaßen“, sagt Kita-Leiterin Elke Krause. „Und wir sind es immer noch. Alle zwei Wochen kommt Mandy Paech zu uns. Danach merken wir, wie entspannt die Kinder sind und wie gut es ihnen geht.“
Immer zwei Kinder verbringen jeweils eine halbe Stunde mit den Tieren. Schon am Morgen überlegen die Erzieher, wem die Tierbegegnung an diesem Tag guttun könnte. „Wir können die Kinder gar nicht laut fragen“, sagt Elke Krause. „Da würden alle ,ich' schreien.“
Tiertherapie mit Hund, Huhn und Schnecken
Mandy Paech arbeitet hauptberuflich in einer Familienberatungsstelle in Crivitz. Nach einer Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Intervention fing sie mit ihrem Cockerspaniel Montie an, für Menschen in belastenden Lebenssituationen da zu sein. „Die Einzeltherapien biete ich bei mir zu Hause auf unserem kleinen Hof in Goldenstädt an“, erzählt sie. Dort trifft man auch auf eine flauschige Hühner-Bande.
Die Schnecken können bis zu 30 Zentimeter lang werden. Mandy Paech hat zwei große 200-Liter-Terrarien. „Einmal eingerichtet, läuft das. Was die Schnecken fressen, kommt hinten wieder raus und wird gleich verwertet, denn im Terrarium leben auch Asseln. Wichtig ist, dass es die Schnecken kuschelig warm und feucht genug haben: Temperaturen von mehr als 26 Grad müssen sein. Andere halten Fische, ich halte Schnecken. Das ist eben ein Hobby.“
Am Ende der Stunde bekommen die Kinder einen Schneckenstempel auf den Arm. So können sie sich noch lange an die schleimigen Gesellen erinnern.