Pasewalk feiert 775 Jahre mit Rekord-Festumzug und tausend Teilnehmern
Pasewalk feiert 775 Jahre mit tausend Teilnehmern

Pasewalk hat sein 775. Jubiläum mit einem Festumzug gefeiert, der nach Angaben des Organisationsteams neue Maßstäbe für die Region setzt. Über eintausend Teilnehmer, 70 Fahrzeuge, sechs Kutschen und 23 Reiter verteilten sich auf einer Länge von zweieinhalb Kilometern. Ein auf einen Tieflader gestellter Eisenbahnwagen wurde ebenfalls durch die Stadt gezogen.

Logistik und historische Bilder

Gelobt wurde allgemein die Logistik, mit der die Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung die einzelnen Zugteile verbunden haben. Landrat Michael Sack sagte kurz nach Ende des Zuges auf dem Markt: „Gefühlt ist die Hälfte der Pasewalker Bürger mitmarschiert und die andere Hälfte hat zugeschaut.“

Musikalisch wurde der Umzug unter anderem von der Schalmeienkapelle Rossow unter der Leitung von Stefan Nadler begleitet. Direkt nach der Kapelle kamen Bürgermeister Danny Rodewald in historischer Uniform, Stadtpräsident Ralf Schwarz sowie Oberstleutnant Steven Henn, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 411. Das Patenbataillon ist in der Kürassier-Kaserne in Viereck stationiert, Soldaten der 5. Kompanie waren dabei.

Von der Slawensiedlung bis zum Wiederaufbau

Die Gründung Pasewalks wird für das Jahr 1251 angenommen, gesiedelt hatte der slawische Stamm der Ukranen zwischen Uecker und Randow jedoch bereits um das Jahr 700. Im 14. Jahrhundert wurde die St. Marienkirche erbaut, kurz danach die Stadtmauer mit Toranlagen, Türmen und Wiekhäusern auf einer Länge von knapp zweieinhalb Kilometern.

1445 wurde Pasewalk von einem starken brandenburgischen Heer belagert, rund 200 Prenzlauer gerieten in Gefangenschaft. Aus den Lösegeldern entstand später der Turm „Kiek in de Mark“. Die Pest wütete mehrfach in der Stadt, der Dreißigjährige Krieg und der Große Nordische Krieg hinterließen Verwüstungen und Brände. Erst die Preußen bauten Pasewalk wieder auf, neue Bürger wie Hugenotten brachten neue Gewerbe und den Tabakanbau mit.

Kürassierstadt und Partnerstädte

1721 begann die Garnisonsgeschichte mit der Verlegung eines Regiments „Schulenburg-Dragoner“ nach Pasewalk. 1806 wurde Königin Luise die erste Chefin des hiesigen Regiments, das später zum „Königin-Kürassier-Regiment“ wurde. Königin Luise selbst war nie in Pasewalk, sie starb 1810 in Hohenzieritz. Kaiserin Auguste Viktoria übernahm die Regimentsherrschaft und besuchte Pasewalk mehrfach, zuletzt Pfingsten 1911. Der Beiname „Kürassierstadt“ blieb bis heute erhalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Pasewalk zu 80 Prozent zerstört. Bürgermeister Danny Rodewald sagte: „Doch die Pasewalker haben bewiesen, dass unter dem sprichwörtlichen Kürass ein Herz aus Gold und unerschütterlicher Wille schlagen. Wir haben die Trümmer beiseite geräumt, haben unsere Marienkirche und die historischen Bauten bewahrt.“

Beim Umzug waren Abordnungen aus allen drei Partnerstädten dabei: aus dem ostfriesischen Norden, aus dem polnischen Police und aus Halen in Belgien. Zahlreiche Vereine und Institutionen beteiligten sich, darunter die freiwillige Feuerwehr, die in zwei Jahren ihr 150. Jubiläum feiern kann, sowie Landwirte, Handwerksbetriebe und Geschäftsinhaber.

Der Bürgermeister sagte später auf dem Markt: „Ein Jubiläum feiert man nicht nur, um in den Rückspiegel zu schauen. Wir feiern es, um den Blick nach vorn zu richten!“ Allen Teilnehmern, Vereinen, Institutionen, Gruppen und Helfern gelte besonderer Dank.