Wolgaster erhält nach fünf Jahren Spenderherz und kämpft sich zurück ins Leben
Nach fünf Jahren: Spenderherz für Wolgaster Volkmar Gamradt

Volkmar Gamradt (69) aus Wolgast lebt seit einem Jahr mit einem Spenderherz. Nach der Transplantation gab es zahlreiche Komplikationen, doch inzwischen geht es dem Rentner deutlich besser. Der Weg dorthin war lang und von vielen Rückschlägen geprägt.

Der Anruf nach fünf Jahren Wartezeit

Vor ziemlich genau einem Jahr klingelt das Telefon. „Sind Sie Volkmar Gamradt? Wir haben ein Herz für Sie. Sind Sie bereit für die Transplantation?“ – Mit diesen Worten meldet sich ein Rettungssanitäter an einem sonnigen Freitagnachmittag im September 2025. Volkmar Gamradt sitzt gerade auf dem Sofa in seinem Haus in Wolgast, als er die Nachricht erhält, auf die er fünf Jahre gewartet hat. „Nach so langer Zeit hatte ich nicht mehr so richtig daran geglaubt, dass ich noch ein Herz bekomme.“

Der 68-Jährige hatte zwei Herzinfarkte erlitten. Beim zweiten Mal war sein Herz so stark geschädigt, dass er mehrere Wochen im Koma lag. Am Klinikum Karlsburg setzten die Ärzte eine Pumpe auf der linken Herzseite ein, die über einen Schlauch mit einer Batterie außerhalb des Körpers verbunden ist. „Die noch vorhandene Herzleistung wird genutzt und die fehlende Herzleistung wird durch die Pumpe ersetzt“, erklärt ein Sprecher des Klinikums.

Kampf mit Komplikationen und 30 Kilo Gewichtsverlust

Die Transplantation findet einen Tag später im Universitätsklinikum Hamburg (UKE) statt. „Die OP verlief gut, ich konnte meinen Mann bereits zwei Tage später besuchen“, erzählt Ehefrau Martina Gamradt. Doch wenige Tage danach verschlechtert sich sein Zustand deutlich. Volkmar Gamradt ist verwirrt, erkennt Besucher mitunter nicht, kann Fragen nicht beantworten. Seine Hautfarbe wechselt in „quittengelb“, wie seine Frau berichtet. Ursache sind offenbar Nebenwirkungen der Tabletten, die er nach der OP nehmen musste. „Die Niere hat nicht richtig gearbeitet. Mein Mann musste an die Dialyse, ein Problem folgte dem nächsten“, erinnert sich Martina Gamradt.

Innerhalb von drei Monaten nimmt Volkmar Gamradt 30 Kilogramm ab, wiegt nur noch 76 statt zuvor 107 Kilogramm. „Ich hatte ständig Husten und diese Schmerzen im Hals. Das Schlucken tat weh, ich hab nichts geschmeckt.“ Komplikationen treten bei älteren Patienten häufiger auf, wie eine Sprecherin des UKE erklärt: „Dabei handelt es sich zum Beispiel um eine schlechtere Mobilisation oder Begleiterkrankungen wie Niereninsuffizienz.“

Zweite Operation bringt den Durchbruch

Nach der Reha kann Gamradt nur wenige Schritte an Krücken gehen. Einmal stürzt er während der Krankengymnastik. „Ich musste alles noch mal von vorne lernen, genau wie nach den beiden Herzinfarkten 2011 und 2021.“ Im Juli, gut neun Monate nach der ersten OP, sind seine Werte so schlecht, dass er erneut in Hamburg operiert werden muss. Der gesamte Brustkorb wird wieder geöffnet, die Drähte neu gelegt. Laut UKE-Sprecherin sind solche Folgeeingriffe selten, im einstelligen Prozentbereich.

Diese Operation bringt den Durchbruch. „Es geht mir jetzt endlich besser als in der Zeit vor der Herztransplantation. Ich kann die Treppe wieder hochgehen, ohne Pause machen zu müssen. Ich fühle mich fitter“, sagt Gamradt. „Das gesunde Herz schlägt viel stärker in meiner Brust, als es das Kunstherz getan hat. Da lief ich auf 25 Prozent, jetzt auf voller Kraft, das fühle ich.“ Am Klinikum Karlsburg werden neben Gamradt nur weitere elf Personen nach einer Herztransplantation betreut. Umso dankbarer ist er allen, die sich in dieser Zeit um ihn gekümmert haben.

Größter Luxus: Baden ohne Schlauch und Batterie

Der größte Luxus am Leben mit dem neuen Herzen ist für Volkmar Gamradt, wieder baden zu können und frei von dem Schlauch sowie der drei Kilogramm schweren Batterie zu sein. Während er sich jetzt in die Badewanne legen und genießen kann, mussten vorher Schlauch und Batterie wasserdicht verpackt werden für eine Dusche. Das war jedes Mal eine riesige Kraftanstrengung.

Am Klinikum Karlsburg wurden bislang 134 Menschen mit einem batteriebetriebenen Herzen ausgestattet. Etwa 20 Personen in Mecklenburg-Vorpommern warten derzeit auf ein Spenderherz. Ein Herzinsuffizienz-Gremium am UKE entscheidet, ob ein Patient für eine Transplantation grundsätzlich infrage kommt. Die Vergabe erfolgt über den Verbund Eurotransplant anhand medizinischer Kriterien wie Blutgruppe, Größe, Gewicht und Dringlichkeit.