„Monchi“ liest in Jarmen aus neuem Buch „Jenseits der Brandmauer“
„Monchi“ liest in Jarmen aus neuem Buch (14.08.2026)

Jan Gorkow, bekannt als „Monchi“ von der Band Feine Sahne Fischfilet, hat am Donnerstagabend in seiner Heimatstadt Jarmen aus seinem neuen Buch „Jenseits der Brandmauer. Mein Leben in der ostdeutschen Provinz“ gelesen. Mehr als 250 Menschen versammelten sich auf dem Skatepark, um dem Punk-Sänger zuzuhören. Statt auf der Bühne nahm „Monchi“ auf einem Sessel Platz, der mitten auf dem Gelände stand.

Lesung auf dem Skatepark in Jarmen

Die Zuhörer saßen auf Bänken, mitgebrachten Klappstühlen oder direkt auf den Rampen der Skaterbahn. Es war die erste Lesung aus seinem neuen Buch, in dem er sich mit den Menschen in seiner Heimat auseinandersetzt. „Monchi“ lebt seit drei Jahren wieder in Jarmen, wo er aufgewachsen ist. Hauptgrund war die Geburt seines Kindes, er wollte näher bei seiner Familie sein. Er schätzt die kurzen Wege: „Zwei Minuten bis zum See, zwei Minuten bis zur Peene, zwei Minuten bis zum Arzt, zwei Minuten bis zu meinen Eltern.“

Zweifel nach der Bundestagswahl 2025

Nach der Bundestagswahl 2025 kamen ihm jedoch Zweifel. 54 Prozent der Jarmenerinnen und Jarmener hatten die AfD gewählt, eine Partei, deren Ansichten seinen Grundwerten widersprechen. In seinem Buch schreibt er: „Heute, am 24. Februar 2025, da habe ich das erste Mal diesen Gedanken. Ist es noch richtig, hier zu bleiben?“

Der Punkrocker suchte in den folgenden Wochen immer wieder das Gespräch, um zu verstehen, warum Menschen die AfD wählen. Er sagt, früher hätte er alle über einen Kamm geschoren, heute könne er das nicht mehr. „Umso näher ich den Menschen bin, umso schwerer kann ich sie hassen“, erklärt er im Interview. Besonders schmerzte ihn eine Bekannte, von der er nie gedacht hätte, dass sie AfD wählen würde.

Plädoyer fürs Bleiben und Anpacken

„Monchi“ erzählte den Zuhörern, dass die oft erwähnte Brandmauer für ihn ein Politikkonzept sei, das auf dem Land weltfremd wirke. Er wolle mit allen im Gespräch bleiben, die Grenze ziehe er jedoch bei überzeugten Nazis. In seinem Buch geht er auch auf seine eigene Vergangenheit ein, beschreibt den jungen „Monchi“, der auf Krawall aus war und straffällig wurde, sowie das Ereignis, das ihn zum Antifaschisten machte. Er würdigt Menschen, die ihn geprägt haben, wie den verstorbenen Pastor Lothar König aus Jena.

Sein Fazit lautet: „Bleiben. Ich glaube, dass ist einer der wichtigsten Punkte. Wenn man zeigt, dass man es ernst meint, dass man nicht nur leere Phrasen drischt, sondern wirklich etwas macht.“ Das beeindruckte die Zuhörer. Eine Jarmenerin sagte: „Wir brauchen mehr solcher Typen wie Monchi.“ Ein anderer ergänzte: „Er polarisiert als Mensch, aber er gehört hierhin. Und ich habe absoluten Respekt vor dem, was er hier aufzieht.“ Damit bezog er sich auf das Festival „Wasted in Jarmen“, das jährlich rund 5.000 Besucher anzieht und bei dem Feine Sahne Fischfilet als Headliner auftritt. Das Event ist ausverkauft.