Wahlforum in Hagenow: Mobilität und Bildung sorgen für Diskussionen
Wahlforum Hagenow: Sorgen um Bahn und Pflege

Rund 150 Gäste kamen im Veranstaltungssaal Mecki in Hagenow zusammen, um die Direktkandidaten für den Wahlkreis 18 zu hören, der Hagenow, Wittenburg und Stralendorf umfasst. Das Netzwerk der Kulturschaffenden hatte zu dem Forum eingeladen, um den Wählern die Gelegenheit zu geben, mit den insgesamt sieben Kandidaten ins Gespräch zu kommen.

Mobilität im Alter: Ein zentrales Anliegen der Wähler

Die Politiker hatten zunächst die Möglichkeit, sich zu Themen wie Bildung, Ehrenamt, Energie, Gesundheit, Innere Sicherheit und Kultur zu äußern, danach stellten sich die Bürger ihren Fragen. Ein wichtiges Thema in Hagenow ist die Mobilität. Eine Mitarbeiterin der ambulanten Pflege berichtete von ihren Erfahrungen: „Wenn man hört, dass eine über 80-Jährige mit ihrem Auto irgendwo gegen gefahren ist, ist das kein Altersstarrsinn, sondern zeigt eine Not.“

Sie erlebt in ihrer Arbeit, dass Familienstrukturen auch auf den Dörfern nicht mehr existieren und ihre Patienten selbst zum Einkaufen oder Arzt fahren müssen, weil niemand sie fährt. „Und andere Möglichkeiten haben die Leute oft nicht, das kann doch nicht sein“, erläuterte sie und fragte die Politiker, ob ihnen das Problem bekannt sei und welche Lösungen sie sehen.

Bahnverbindungen: Land kann Takte und Zuglängen selbst festlegen

Eine konkrete Lösung hatten die Kandidaten nicht, wenngleich die Idee einer Förderung der ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe aufkam. Eine Teilnehmerin stellte im Nachgang fest: „Viele der von den Kandidaten entwickelten Ideen waren ja gar nicht schlecht, aber woher die ganzen Gelder kommen sollen, um diese ganzen Förderprojekte zu bezahlen, weiß anscheinend keiner.“

Sie hatte danach gefragt, wie die Kandidaten die Bahnverbindungen für Pendler absichern wollen. „Dann heißt es immer, für die Bahn sei der Bund zuständig, aber das stimmt so nicht, denn die Taktung und die Länge der Züge werden im Land bestimmt“, erläuterte die Hagenowerin. Ein weiterer Zuschauer, der sich seit Jahren mit dieser Problemstellung beschäftigt, bestätigte das: „Wenn die Landespolitik will, kann sie regionale Zugverbindungen bestellen.“ Dafür bekomme das Land vom Bund Regionalisierungsmittel, mit denen diese Verbindungen finanziert werden können. Den meisten Politikern auf dem Podium war diese Tatsache offenbar nicht bekannt, sodass auch die Kandidaten von dem Abend profitieren konnten.

Kandidaten bringen lokale Perspektiven ein

Solche Formate sind grundsätzlich erhellend. Aus bloßen Gesichtern und Parolen auf Plakaten wurden beim Wahlforum Menschen mit Argumenten, die darstellen konnten, dass sie angetreten sind, um Probleme in ihrem Wahlkreis zu lösen. Obwohl die Kandidaten in Schwerin, Ludwigslust oder Crivitz beheimatet sind, haben sie Verbindungen zu Wittenburg, Hagenow und Stralendorf und bringen als Finanzer, Immobilienmakler, in der Ergotherapie, Rentner oder Rettungssanitäter lokale Themen in den Landtag in Schwerin ein.

Bei der Bildung, für die Hagenow mit der sogenannten Fickt-Euch-Rede bundesweit Aufsehen erregt hat, zeigte sich, dass unter anderem AfD-Kandidat Martin Schmidt und Rainer Barabas (BSW) durch eine veränderte Lehrerausbildung im Land Probleme lösen wollen. Andrea Leonhard (Grüne), Markus Eichwitz (SPD) und Theodoros Weiße (FDP) setzen auf kurzfristigere Effekte: Lehrer sollen keine Multitalente mehr sein müssen und von Bürokratie entlastet werden. Jacqueline Bernhardt (Linke), die Gelord Opitz als Direktkandidaten vertrat, wies darauf hin, dass Bildung schon bei den Kleinsten anfängt und durch die beitragsfreie Kita schon viel geleistet worden sei.

In ihren Schlussworten machten alle Kandidaten deutlich, dass sie sich wünschen, dass möglichst viele Bürger ihre Stimme abgeben. Wer in den Landtag gewählt werde, liege in der Hand der Wähler, darüber waren sich die Kandidaten einig.