Trakehner in der DDR: Wie sie deutsche Geschichte schrieben
Trakehner in der DDR: Geschichte einer Pferderasse

Die Pferderasse Trakehner wird seit 2022 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe geführt. Ursprünglich durften nur Pferde als Trakehner bezeichnet werden, die im Gestüt im ostpreußischen Trakehnen geboren waren. Am 17. Oktober 1944 wurde Trakehnen wegen des Vormarschs der sowjetischen Armee geräumt. Von den in Hochzeiten 25.000 Stuten und 1200 Hengsten überlebten viele die Flucht nicht. In Überlieferungen heißt es, dass rund 900 Pferde (darunter nur 27 Stuten direkt aus dem Hauptgestüt Trakehnen) bis in den Westen kamen.

Flucht über das zugefrorene Frische Haff

Neben dem Hauptgestüt hatten auch viele kleinere Betriebe sich der Trakehnerzucht verschrieben. Auch diese Züchter mussten im Winter 1944/1945 ihre ostpreußische Heimat verlassen und nahmen ihre Pferde mit. Besonders dramatisch ist für viele heute alte Menschen immer noch die Erinnerung an diese Flucht, denn Ostpreußen war eingekesselt und die Flüchtlinge versuchten, über das zugefrorene Frische Haff, das Ostpreußen von Polen trennte, in Richtung Westen zu kommen.

Die Flucht über die Ostsee kostete viele Menschen und Tiere das Leben, dennoch gelang es einigen Züchtern, einen Teil ihrer Pferde zu retten und sich im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, in Sachsen oder in Schleswig-Holstein und Niedersachsen wieder eine Zucht aufzubauen. Einige der Pferde aus Trakehnen kamen im Hauptgestüt Graditz in Sachsen unter, andere im Remonteamt Perlin im heutigen Nordwestmecklenburg, allerdings wurden sie dort später wieder von der sowjetischen Armee beschlagnahmt.

Neuanfang in Mecklenburg

Dennoch fanden sich nach Kriegsende auf dem späteren DDR-Gebiet etwa 660 Trakehner Pferde, darunter 489 Stuten und vier Hengste mit vollständigen Papieren. Die meisten von ihnen in Mecklenburg-Vorpommern, da hier viele der Flüchtlingstrecks endeten.

Engagiert bei der Bestandssicherung waren dabei unter anderem das Institut für Tierzuchtforschung Dummerstorf bei Rostock, das Hauptgestüt Graditz in Sachsen und das Hauptgestüt Ganschow bei Güstrow, die den Trakehner unter dem neuen Namen „Edles Warmblut Trakehner Abstammung“ züchteten, heißt es beim Trakehnerzuchtverband.

Gestüt Ganschow als Zentrum der Zucht

Das Gestüt Ganschow wurde 1969 gegründet und galt als das größte Pferdegestüt seiner Art in Europa. Hier förderte die DDR die Warmblutzucht und Pferdewirtschaft, der besondere Schwerpunkt lag damals auf der Trakehnerzucht. Dabei sollte der Trakehner als Alternative zum Vollblut die Reitpferdezucht veredeln und seine vielseitige sportliche Eignung an die Nachkommen weitergeben. Im Juli 1995 übernahm Friedhelm Mencke das Gestüt und führte gemeinsam mit seinem Sohn René die Trakehnerzucht weiter.

„Trakehner sind immer noch eine besondere Pferderasse, es dauert einen Moment, sie für sich zu gewinnen, aber dann sind sie unglaublich leistungsbereit und zugewandt“, erläutert René Mencke seine Faszination für die Trakehner. „Sie sind auch hübsche Pferde mit einem sehr ausdrucksvollen Gesicht, finde ich“, so Mencke weiter. Außerdem fasziniert ihn die Geschichte dieser Pferderasse, die so eng mit der deutschen Geschichte verbunden ist.

„Ich war lange vor dem Krieg in der Ukraine mal an dem Standort des Gestüts Trakehnen im heutigen Russland, und obwohl da viele Gebäude zerfallen sind, kann man noch etwas von der einstigen Größe und Bedeutung erahnen“, erzählt René Mencke. „Vor allem sind in der Region noch viele deutsche Bezüge zu finden, unter anderem auf dem Friedhof, wo auf den Grabsteinen deutsche Namen und Orte stehen“, erinnert sich der Pferdezüchter.

Gemeinsam mit seinem Vater Friedhelm will er sich weiter für die Trakehner einsetzen und damit nicht nur gute Reit- und Kutschpferde züchten, sondern auch die Erinnerung an die besondere historische Verbindung von Menschen und Pferden wach halten.