NVA-Kaserne Goldberg: Freizeitpark-Pläne gescheitert, Gelände verfällt
NVA-Kaserne Goldberg: Freizeitpark-Pläne gescheitert

Die frühere Artur-Becker-Kaserne in Goldberg ist heute ein verfallendes Privatgelände. Nach dem Ende der Garnison scheiterten Pläne für einen Freizeitpark, große Teile des Areals blieben ungenutzt.

Vom KVP-Regiment zur Garnison Goldberg

Goldberg wurde 1963 Garnisonsstadt; 1964 zog das Panzerregiment 8 aus Prora an den neuen Standort in Westmecklenburg. Das Regiment entstand 1956 in Prora aus Strukturen der Kasernierten Volkspolizei und wurde Teil der 8. Motorisierten Schützendivision. Anfang der 1960er-Jahre begann bei Goldberg der Bau der neuen Kasernenanlage, geplant und gebaut über das Zentrale Entwurfs- und Konstruktionsbüro des Verteidigungsministeriums.

Im Sommer 1964 zog das Regiment mit Personal und Technik um, im November war die Verlegung abgeschlossen. Zunächst waren noch Panzer vom Typ T-34 im Einsatz, später folgte die Umrüstung auf T-55 und T-55A.

Traditionsname und weitere stationierte Einheiten

Seit 1971 trug die Kaserne den Traditionsnamen „Artur Becker“, benannt nach einem KPD-Politiker und Spanienkämpfer. Der frühere Ehrenhain auf dem Gelände ist heute weitgehend verschwunden. Neben dem Panzerregiment 8 waren in Goldberg die Raketenabteilung 8 „Hermann Schuldt“ und das Bataillon Chemische Abwehr 8 „Erich Correns“ stationiert. Eine Aufklärungskompanie gehörte zum Bataillon Funkelektronischer Kampf 5 „Paul Verner“. Auch die Abteilung 2000 der MfS-Bezirksverwaltung Schwerin war am Standort tätig; sie war für Abwehrarbeit in NVA und Grenztruppen zuständig.

Zeitweise waren mehrere tausend Soldaten und Zivilbeschäftigte am Standort eingesetzt. Zum Vergleich: 1990 hatte Goldberg knapp 5000 Einwohner. Die Fahrzeuge waren in der Technischen Zone abgestellt, dem sogenannten Park. Jedes Bataillon und jede selbstständige Kompanie hatte dort einen eigenen Bereich. Für das Regiment war eine Marschbereitschaft innerhalb von 30 Minuten vorgesehen. Zum Bestand gehörten rund 100 gefechtsbereite Panzer. Hinzu kamen mobile Abschussrampen und Spezialfahrzeuge der Raketenabteilung.

Raketenabteilung nutzte sowjetisches Luna-M-System

Die Raketenabteilung 8 war 1962 als selbstständige Artillerieabteilung aufgestellt worden. Sie kam über Brück und Stern-Buchholz nach Goldberg und wurde 1967 in Raketenabteilung 8 umbenannt. Ab 1968 nutzte sie das sowjetische Raketensystem „Luna-M“. Die „Luna-M“ war eine ungelenkte ballistische Kurzstreckenrakete mit einer Reichweite von etwa 68 Kilometern. Scharfe Starts waren auf DDR-Übungsplätzen wegen der Reichweite kaum möglich. Dafür wurde unter anderem der sowjetische Raketenübungsplatz Kapustin Jar genutzt.

In Goldberg wurde Schießen an Ausbildungsgeräten geübt; scharf geschossen wurde auf Truppenübungsplätzen. Für das Panzerregiment 8 war Lübtheen ein wichtiger Übungsraum. Zu den anspruchsvollsten Übungen gehörten Unterwasserfahrten mit dem Panzer. Die Fahrten fanden unter anderem an der Elbe bei Kehnert statt. Vorher mussten die Fahrzeuge abgedichtet werden. Bei älteren Ausbildungsfahrzeugen war das schwierig, weil Dichtungen und Verbindungen durch den jahrelangen Gebrauch verschlissen waren.

Flutgerät und Gefechtsstand im Objekt

In Goldberg gab es ein spezielles Flutgerät für das Sicherheitstraining. Dabei wurde das Verlassen eines volllaufenden Panzers geübt. Die Besatzung saß in einer geschlossenen Stahlröhre mit Atemgerät und musste warten, bis der Druckausgleich das Öffnen der Luken ermöglichen würde. Unter den Stabsgebäuden befand sich ein teilgeschützter Keller, der als Gefechtsstand diente. Erhalten sind Rahmen gasdichter Türen und Schnellschlussklappen. Auch ein Notausstieg ist noch erkennbar. Im selben Keller befanden sich ein Duschbereich und eine Sauna.

Der Unterkunftsbereich bestand aus mehreren Blöcken. Hinzu kamen Ausbildungsgebäude und Werkstätten. Im Klubhaus befand sich ein großer Saal mit Bühne und Filmvorführraum. In den Gebäuden sind noch Spuren der früheren Nutzung zu erkennen. Erhalten sind beschriftete Räume und alte Wandmarkierungen. In den Küchenbereichen lassen sich ehemalige Kühlräume und Essenausgaben noch zuordnen.

Kanuzentrum und Munitionslager bei Jellen

Die Armeesportgruppe Vorwärts Goldberg hatte am Goldberger See ein Kanu-Trainingszentrum. Die Anlage entstand vermutlich Ende der 1960er- oder Anfang der 1970er-Jahre. Auf dem Gelände standen ein Massivgebäude mit Gegenstromanlage, einfache Bungalows und ein hölzerner Unterstand für Kanus. In der Ferienzeit wurde die Anlage als Kinderferienlager genutzt.

Das Munitionslager bei Jellen in der Schwinzer Heide wurde Anfang der 1960er-Jahre für die in Goldberg stationierten Einheiten angelegt. Die Lagerhäuser lagen an einer Ringstraße im Wald. Das Lager war militärisches Sperrgebiet, gesichert mit Zaun, Wachgebäude und Türmen. Dort lagerte Munition für die stationierten Einheiten, darunter Handwaffenmunition, Handgranaten und Artilleriemunition.

Auflösung begann noch vor dem Mauerfall

Am 23. Januar 1989 kündigte Erich Honecker eine Reduzierung der NVA um 10.000 Soldaten an. Vorgesehen waren auch die Auflösung von sechs Panzerregimentern und einem Jagdfliegergeschwader sowie die Verschrottung von 600 Panzern und 50 Kampfflugzeugen. In Goldberg wurden im April 1989 im Zuge dieser Abrüstungsmaßnahmen 31 Panzer außer Dienst gestellt. Am 1. Dezember 1989 war das Panzerregiment 8 aufgelöst. Verbliebene Teile wurden vorübergehend als Ausbildungsbasis genutzt.

Auch die Raketentechnik wurde ab Ende 1989 abgezogen. Raketen und mobile Abschussrampen kamen zur Raketentechnischen Basis nach Brück. Im Frühjahr 1990 war in Goldberg keine Raketentechnik mehr vorhanden.

Nach 1990 blieb viel ungenutzt

Nach der deutschen Einheit wurde nur ein Teil der Technischen Zone gewerblich genutzt. Zeitweise diente das Gelände als Verdichtungslager, also als Sammelstandort für NVA-Technik. Goldberg hatte seit den 1960er-Jahren von der Garnison profitiert; nach 1990 fiel dieser Standort weg. 1992 wurde auf dem ehemaligen Kasernengelände vorübergehend eine Außenstelle der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber eingerichtet. Etwa 300 Menschen sollten dort untergebracht werden. In Goldberg gab es massive Proteste gegen die Einrichtung, 1993 wurde sie wieder aufgegeben.

1999 wurde das Gelände versteigert und an einen privaten Investor verkauft. Später sollte dort der Freizeitpark „Discovery Land“ entstehen. Genannt wurden Investitionen von mehr als 125 Millionen Euro. Das Projekt scheiterte: Ein benachbarter Betreiber klagte gegen den Bebauungsplan, 2013 wurde er für ungültig erklärt. Die frühere Artur-Becker-Kaserne ist heute ein verfallendes Privatgelände. Fahrzeughallen und Unterkunftsblöcke sind noch vorhanden; dazwischen verlaufen alte Betonplattenstraßen. Eine dauerhafte Nutzung für große Teile des Areals gibt es bis heute nicht.